Studie: Gamer lassen sich leichter von Computerprogrammen beeinflussen

  • Joel
  • 05. Februar 2015
  • Studien
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Leiter der Studie: Ulrich W. WegerVideospielen wird vieles nachgesagt. Sie sollen aggressiv machen, zur sozialen Vereinsamung führen oder schulische Leistungen verschlechtern. Eine neue Studie der Universität Witten/Herdecke aus Deutschland will nun gezeigt haben, dass sich Gamer bei der Entscheidungsfindung eher von Computerprogrammen beeinflussen lassen.

Das Experiment, geleitet von Professor Ulrich W. Weger, lief wie folgt ab: 63 Studenten wurden in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe spielte während gerade mal sieben Minuten ein „immersive game in which they played through the eyes of a virtual character (an avatar), by travelling through a landscape and manipulating the environment at their discretion.“ Hier wird von einem Role Playing Game (RPG) gesprochen. Leider wird der Name des Videospiels nie erwähnt.  Die zweite Testgruppe durfte währenddessen nach eigenem Belieben durchs Internet surfen.

Anschliessend mussten alle Probanden beider Gruppen anhand von Charakterbeschreibungen entscheiden, welche von zwei vorgestellten Personen für einen bestimmten Beruf besser geeignet sei. Zuvor gab ein Computerprogramm ebenfalls eine Empfehlung ab, welcher Kandidat der Aufgabe besser gewachsen sei. Hierbei war die Empfehlung des Computerprogramms jedoch in fast der Hälfte aller Fälle bewusst falsch. Untersucht wurde schliesslich, welche Probanden sich wie stark von den (oft falschen) Empfehlungen des Computerprogramms leiten liessen.

Das Ergebnis zeigte schlussendlich, dass sich Testpersonen aus der Gamer-Gruppe etwas öfter von der Empfehlung des Computerprogramms beeinflussen liessen.

Über den Sinn einer solchen Studie und den Wert dieser Erkenntnis lässt sich streiten. Die Arbeit zeigt, dass das Medium Videospiel eine Form von Einfluss (hier bzgl. Entscheidungsfindung) auf den Spieler hat, was wenig verwundert. Der Mensch reagiert auf Wahrnehmungen, was nur natürlich und sinnig scheint. Weshalb Spiele diesen Effekt hervorrufen können, bleibt offen. Auch die Auswirkungen anderer Spielegenres wurden nicht untersucht. Fraglich ist nun, ob eine Beeinflussbarkeit durch Computerprogramme negativ ist. Hätte die Software den Probanden ausschliesslich gute Ratschläge erteilt, hätte dies die Ergebnisse der Gamer-Gruppe gar verbessert. Ob das Ergebnis dieser Studie nun erfreulich oder beunruhigend ist, kann also allein von der Qualität der beratenden Software abhängen.

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