Näf: "Killerspiele sind Schuld am Fall München"

  • Nikolai
  • 07. Juli 2009
  • Politik
  • 10741

altDie sinnlose Gewalt und die unfassbare Brutalität des Schlägertrios, das in München mehrere Menschen fast totprügelte, hält momentan die Schweiz in Atem. Die Medien sprechen von einem "Amoklauf ohne Waffen". Überall wird nach Erklärungen gesucht, wie so etwas überhaupt passieren konnte. Dabei kommen die meisten zum Schluss, dass die Gewalt durch etliche verschiedene Faktoren ausgelöst wurde: Alkohol und Tabakkonsum, angestaute Aggressionen, Geltungsdrang et cetera. Nicht wenige kommen zum Schluss, dass solch eine Gewalttat nicht allein mit diesen Faktoren erklärt werden kann.

Ganz anders Roland Näf, der diese schreckliche Tat für seine politischen Zwecke zu missbrauchen versucht. Er veröffentlichte vor kurzem einen Bericht auf der Webseite seines Vereins gegen mediale Gewalt (vgmg.ch), in dem er die Schuld an den Straftaten der Küsnachter Schäger vollumfänglich „Gewaltmedien“ zuschreibt:

Der offensichtliche Abbau der natürlichen Hemmung und der fehlende Respekt lassen sich mit dem Konsum medialer Gewalt erklären.

Diese Aussage ist symptomatisch für Näfs verzerrtes Bild von Killerspielen. Ohne es irgendwie belegen zu können, ja, gar ohne es zu versuchen, wirft Herr Näf einfach seine Vermutung in den Raum und stellt sie als Tatsache dar. Killerspiele führen zu Respektlosigkeit und Hemmungslosigkeit. Dass sich hier auf GameRights.ch und im Verein hunderte Gamer tummeln, bei denen Respekt und Anstand immer noch vorhanden sind und die auch ihre natürliche Tötungshemmung durch ein bisschen Knöpfedrücken wundersamerweise noch nicht verloren haben, wird schlicht ausgeblendet. Zudem macht sich Näf nicht einmal die Mühe, weitere Ursachen zu suchen, sein zuvor immer wieder genanntes Prinzip der Multikausalität hat er offenbar vergessen. Inkonsequenterweise werden die anderen drei der von ihm oft rezitierten amokfördernden Faktoren wie Waffenzugriff oder fehlende elterliche Aufsicht schlicht nicht erwähnt.

Bemerkenswert ist auch dieser Abschnitt:

Junge Männer gehen so vor, wie zuvor tausendfach am Bildschirm geübt oder beobachtet, insbesondere in Stresssituationen oder unter Alkoholeinfluss. Die grausame Gewalt in Videosequenzen oder in Games wirkt als verstärkender Faktor, Menschen mit schwieriger Psyche greifen auf gefährliche Automatismen zurück. Natürlich gegebene Schranken wie die Tötungshemmung und Mitgefühl fehlen.

Lieber Herr Näf, es gibt kein Spiel, bei dem es Ziel ist, wehrlose Passanten totzuprügeln. Es gibt Spiele wie GTA, wo es möglich ist, Passanten zu attackieren, doch solche Taten gehören nicht zum Spielziel und rufen die Polizei auf den Plan. Zudem glaube ich nicht, dass irgendjemand diesen Vorgang „tausendfach“ wiederholt und „trainiert“. Wie Sie auf Ihre Automatismen kommen, ist uns ebenfalls schleierhaft, da man nicht reell zuschlägt, sondern ein Knöpfchen drückt. Diese Handlung hat nichts mit Gewaltausübung zu tun, reale Gewaltanwendung kann also gar kein Automatismus aus einem virtuellen Simulator sein. Wenn Automatismen so eine grosse Rolle spielen, wäre jeder Kickbox-Verein eher zu verbieten als gewalthaltige Videospiele. Zudem stellen sie uns erneut als seelenlose Monster ohne Tötungshemmung und Mitgefühl dar. Diese Aussage ist unglaublich beleidigend. Bedenken Sie, dass wir von anderen, offeneren, respektvolleren Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden und auch ein Wahlrecht haben. Mit solchen Äusserungen machen Sie sich und Ihrer Partei bei den heutigen Jungwählern keine Freunde.

Zum Abschluss hier noch ein weiteres interessantes Zitat:

Die VGMG erwartet von den Strafbehörden und von den Medien, dass die Lebenswelt der an der Gewalttat beteiligten Jugendlichen sorgfältig überprüft wird. Wir sind überzeugt, dass sich auf den Computern, Spielkonsolen oder in den Filmen der Beteiligten Spielszenen finden lassen, die genau dem Vorgehen in München entsprechen. […]Lassen sich entsprechende Zusammenhänge finden, sind die Produzenten Gewalt verherrlichender Produkte sowie die Eltern, welche den Konsum zuliessen, in die Verantwortung zu nehmen.

Die „Münchner Szenen“ lassen sich teils in GTA nachspielen, nur halt nicht in einem virtuellen München sondern in einem virtuellen New York. Des weiteren würde man dieses Spiel bei geschätzten 75% der 18jährigen männlichen Jugendlichen finden. Es sagt also rein gar nichts über die Tathintergründe aus, es wäre etwa das gleiche, wie wenn sie Brotkonsum als mögliche Ursachen nennen würden, und falls man Brot im Haushalt finden würde, dieses für die Tat verantwortlich machen würde. Zudem ist es eine Allmachtsphantasie von Roland Näf zu glauben, mit einem aus der Luft gegriffenen Kausalzusammenhang jemanden verklagen zu wollen.

Wir von GameRights hoffen, dass auch andere Roland Näfs verschrobene Sicht der Dinge erkennen und als falsch ansehen, wenn er weiterhin solche Texte veröffentlicht, sollte dies nicht lange dauern.

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