Spiegel.de berichtete heute, dass der Amokläufer von Ansbach Georg R. (GameRights berichtete) vor seiner Tat ein Schriftstück angefertigt hatte - ein "Hass-Tagebuch". Weitere Untersuchungen brachten Erkenntnisse hervor, welche Computerspiel-Verbotsbefürwortern Schwierigkeiten bereiten dürften:

Die Ermittler betonten ausdrücklich, im Besitz des Amokläufers hätten sich nach bisherigem Erkenntnisstand keine sogenannten Killerspiele oder indizierten Horrorfilme befunden. Lediglich ein gewöhnlicher Actionstreifen werde in dem Tagebuch häufiger erwähnt.

Spiegel.de: Amokläufer führte Hass-Tagebuch

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Anfangs dieser Woche wurde die Informationsseite Killerspiele.ch öffentlich präsentiert, doch war dies nur der Anfang. Diesen Samstag findet in Olten dasjugendschaufenster zum Thema Jugendgewalt statt. Der Event bietet verschiedenen Jugendlichen und Organisationen selbiger eine Plattform um sich zu diesem heiklen Thema zu äussern und ihre Ansichten und Meinungen der erwachsenen Welt vorzustellen und zu erklären. Auch Gamerights wird mit einem Stand anzutreffen zu sein. Am 29. August und 5. September werden wir den Kontakt mit Eltern und Nicht-Spielern suchen. Unsere Sache kommt ins Rollen.

 

  • Adrian
  • 11.08.2009
  • Essays
  • 58695

„Tatsache ist, dass über Spielekonsolen, am PC oder online Spiele gespielt werden können, die dem Nutzer Gelegenheit geben, virtuelle Gewalt gegenüber realistischen Abbildern von Menschen auszuüben. Diese Spiele enthalten massive und wirklichkeitsnahe Gewaltdarstellungen, die wir als unethisch ablehnen.

Wir sind besorgt, dass auch junge User über diese Spiele - getarnt als harmlose Unterhaltung - auf vielfältige Weise mit Gewalt in Kontakt kommen können. Deshalb nehmen wir in besonderer Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen eine kritische und distanzierende Haltung zu den Inhalten von so genannten Shooterspielen beziehungsweise Online- oder PC-Kriegsspielen ein.”

Games.ch: SOS Kinderdorf e.V. lehnt Gamerhilfe ab.

So begründete die SOS Kinderdorf-Organisation ihre Absage, die sie der Website Gamersunity.de zustellte. Diese Website hatte der Hilfsorganisation angeboten einen Werbebanner aufzuschalten und den damit verbundenen Ertrag komplett an das Hilfswerk zu spenden.

 

Oft hört man von notorischen Bildschirmhassern wie Manfred Spitzer, Medienkonsum lasse uns verdummen, beeinträchtige unsere schulischen Leistungen und habe auch sonst nur schlechte Auswirkungen. Gamer werden als Menschen ohne Empathie und Hirn dargestellt.

Dem ist aber nicht so, wie der  "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.", kurz BITKOM kürzlich herausgefunden hat. Es wurden 1002 Menschen über 14 Jahren zum Thema Games auf dem PC, der Spielkonsole und den Handy befragt. Das überraschende Ergebnis: Menschen mit hohem schulischen Abschluss (Abitur) spielen häufiger als ihre Altersgenossen mit weniger hohem Abschluss (Hauptschule). Während bei den Abiturienten jeder dritte spielte, war es bei den Hauptschul-Abgängern nur jeder fünfte. Dies heisst im Klartext: Games sind ein Medium, dass vermehrt von sehr gebildeten Menschen genutzt wird, denen dieses Medium offenbar weder ihr Hirn noch ihr Herz geraubt hat und sie auch in ihrer Entwicklung nicht behindert hat. Gamer sind keine hirnlosen, asozialen Couchpotatoes, die jeden Moment durchdrehen könnten, Gamer sind tendenziell sozial gut eingebundene, gebildete Menschen, Endscheidungsträger in unserer Gesellschaft, kultivierte Zeitgenossen, Intellektuelle. Offenbar sind diese Menschen offener gegenüber den neuen Medien und verteufeln diese nicht grundlos, sonsern legen selbst Hand an. Wie gross die Verbreitung des Hobbys Videospiel und somit die Toleranz in den einzelnen Berufsgruppen, insbeondere bei Politikern ist, wurde leider nicht erhoben.

Oftmals sind Gewaltspiele und Videospiele im Allgemeinen dann in aller Munde, wenn kurz zuvor eine tragische, massive, von einem jungen Menschen ausgeführte Gewalttat passiert ist. Jedoch versiegt das öffentliche Interesse am Thema nach ein paar Wochen oder Monaten wieder - bis wieder etwas passiert, und dann geht es von vorne los. Im Zuge der Diskussion werden auf der einen Seite Verbote gefordert, andere wollen endlich "besseren Jugendschutz", und wieder andere lassen die Diskussion an sich vorbeiziehen, denn die nächste kommt bestimmt, und bisher hat sich nichts geändert: PEGI-Klassifikationen werden immer noch zu wenig ernst genommen. Das ist aus Sicht des Jugendschutzes sehr bedenklich, denn gross angelegte Informationskampagnen und ähnliche Projekte finden zwar zuerst sehr viel Zulauf und Interesse, doch mit der Zeit wird es schwierig, noch jemanden für ehrlichen Jugendschutz zu begeistern.

Das renommierte deutsche Videospielemagazin „GEE“ hatte in einer seiner letzten Ausgaben in einem exzellenten Artikel die Problematik „Killerspiele“ in aller Ausführlichkeit behandelt. Der Artikel ist nun auch kostenlos im Internet verfügbar, weshalb wir ihn euch nicht vorenthalten wollen:

GEE: Der grosse Graben

Anders als viele Schweizer Medien greift GEE das Problem differenziert auf, und eruiert schnell, wo das Problem liegt. Die Gewaltspiel-Debatte ist ein Generationenkonflikt, und ein Konflikt der Unwissenheit:

"Es geht bei diesem Konflikt nicht nur um das Verhältnis von Eltern und Kindern, sondern auch um Technologien und ihre Beherrschung" sagt der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl von der Berliner Humboldt-Universität: "Jugendliche sind im Besitz eines technologischen Wissens um Kommunikationsformen, das sich absetzt von der Brief- und Schriftkultur der Eltern, aber auch von den bisher geläufigen Massenmedien." Plötzlich ist der Wissensvorsprung der Älteren dahin, und damit ihr jahrhundertealtes Selbstverständnis - dass sie, die Erwachsenen, den Kindern etwas beibringen. Das verstärkt das Misstrauen gegenüber Computerspielen. Die lärmenden, schillernden und manchmal auch bluttriefenden Lustgärten des digitalen Wandels werden von jenen verteufelt, die keine Eintrittskarte lösen können oder wollen.

Der grosse Graben - GEE 04/2009

Wir verzichten hier darauf, den gesamten Artikel zu rezitieren, denn er ist auf der Website des GEE Magazins frei verfügbar, viel Spass beim Lesen!

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