Gewaltspiele: Die Diskussion läuft weiter

  • Thomas
  • 25. Juli 2009
  • Politik
  • 13485

Oftmals sind Gewaltspiele und Videospiele im Allgemeinen dann in aller Munde, wenn kurz zuvor eine tragische, massive, von einem jungen Menschen ausgeführte Gewalttat passiert ist. Jedoch versiegt das öffentliche Interesse am Thema nach ein paar Wochen oder Monaten wieder - bis wieder etwas passiert, und dann geht es von vorne los. Im Zuge der Diskussion werden auf der einen Seite Verbote gefordert, andere wollen endlich "besseren Jugendschutz", und wieder andere lassen die Diskussion an sich vorbeiziehen, denn die nächste kommt bestimmt, und bisher hat sich nichts geändert: PEGI-Klassifikationen werden immer noch zu wenig ernst genommen. Das ist aus Sicht des Jugendschutzes sehr bedenklich, denn gross angelegte Informationskampagnen und ähnliche Projekte finden zwar zuerst sehr viel Zulauf und Interesse, doch mit der Zeit wird es schwierig, noch jemanden für ehrlichen Jugendschutz zu begeistern.

Diesmal scheint die Situation aber anders zu sein: Innerhalb sowie ausserhalb der Game-Szene wird immer wieder über neue Erkenntnisse, Aussagen und Diskussionen rund um die heisse Thematik "Gewaltspiele und Jugendschutz" berichtet. Die Schweizer Abkopplung der Piratenpartei, welche sich hauptsächlich für freien Zugang zu Wissen und gegen Zensur von Medien einsetzt, bespricht das Thema ebenfalls:

[...] Das zweite Offensichtliche ist der uneingeschränkte Zugang zu Waffen. Wenn also Killerspiele verboten werden weil sie mutmasslich potentielle Amokläufer zu Massenmördern machen, warum sollte man dann nicht auch den privaten Besitz von Waffen verbieten? Was macht der Zugang zu Waffen, mit denen die Tat vollzogen wird, weniger schlimm als ein möglicher Auslöser des Ganzen? Und inwiefern werden Amokläufe mit einem Killerspieleverbot verhindert, wenn die Waffen immer noch zur Verfügung stehen? Es ist klar, dass ein generelles Waffenverbot von einer grossen Lobby auf Ablehnung stösst. Genau so verhält es sich aber mit den Killerspielen. Nur sitzt diese Lobby leider nicht im Parlament.

[...]

Wenn ich diese Fragen und Fakten zusammenfasse komme ich zum Schluss, dass es sich bei einem Killerspieleverbot um einen Schnellschuss handelt, welcher nichts mit einer Lösung des eigentlichen Problems zu tun hat. Es wird viel mehr versucht, einen Beschluss zu fällen, der in vielen Augen auf den ersten Blick das Allerheilsmittel überhaupt ist, auf den zweiten Blick aber nur an der Spitze des Eisbergs kratzt.

piratenpartei.ch: Killerspielverbote: Mehr Unsinn als Nutzen. http://piraten-partei.ch/node/37

Die sehr junge Seite Politnetz.ch bietet Interessierten unter der Subdomain gewaltspiele.politnetz.ch eine einfache Plattform, um online über verschiedenste politische Themen zu debattieren. Hier wird löblicherweise nicht der Begriff "Killerspiele", sondern von vornherein der Terminus "Gewaltspiele" verwendet.

politnetz.ch

Betrachtet man jeweils die Detailansicht der einzelnen Argumente, wird einem klar, dass hier Menschen aus verschiedensten politischen und persönlichen Bereichen erkannt haben, dass ein Verbot absolut nichts bringt:

Wer vor diesem Hintergrund die Verantwortung für Amokläufe und neuerdings auch ganz allgemein für Gewalttaten Jugendlicher noch allen Ernstes auf Computerspiele schieben will, betreibt keine Politik, sondern Demagogie. (Oliver Kaufmann)

Von der moralischen Seite her lässt sich ein gespielter "Krieg", ob nun virtuell oder real (Paintball), nicht legitimieren, das ist offensichtlich. Da unterscheiden sich Spiele aber nicht von Filmen und Büchern, die von Kriegen handeln und zur Unterhaltung dienen. Das gilt auch für andere dargestellte Gewalt. Am wichtigsten ist wohl der Jugendschutz. Dieser ist besser gewährleistet, wenn die Spiele legal aber unter Kontrolle sind. Wie bereits gesagt wurde ist es realitätsfern zu denken, ein Verbot würde die Spiele aus der Schweiz verbannen.(Tobias Frey)

Was ist gewaltverherrlichend? Bei dieser Debatte gibt es meiner Meinung nach grosse Definitionsschwierigkeiten. Ab wann ist ein Computerspiel wirklich gewaltverherrlichend? Wenn ich das richtig im Kopf habe, dann definierte das Evi Allemann in ihrer parlamentarischer Initiative das so: Sobald man für das Töten eines Menschen belohnt wird, muss das Spiel verboten werden.
Diese Definition geht viel zu weit. Damit werden auch Spiele verboten, welche ganz andere Aspekte fördern (strategisches Vorgehen, Zusammenarbeiten...) [...] Jedoch einfach alle Shootergames zu verbieten finde ich eine absurde Idee! (Severin Bischof)

Im Zusammenhang mit dem Schlägertrio, das in München Menschen brutal verprügelt hat, brachte der Stern gemäss games.ch einen Bericht, in welchem es auch um Gewaltspiele ging.

Die Saat der Gewalt wird eben nicht erst gelegt, wenn Kinder am Computer virtuelle Morde begehen, sondern oft schon in den ersten Lebensjahren.

Stern: Bericht über Müncher Schlägertat. 2009

Weiter heisst es:

Dabei spielen auch Erbanlagen und Temperament mit. Sie erleichtern oder erschweren es einem Kind, Mitgefühl zu lernen. Ist ein Neugeborenes etwa ein anstrengendes Schreikind, braucht es eigentlich besonders geduldige, liebevolle Eltern.

Stern: Bericht über Müncher Schlägertat. 2009

Man sieht, die Diskussion ist noch lange nicht vorbei, und es wird - auch von Seiten von GameRights, Stichwort Aufklärung und Information - noch einiges kommen.

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