Evi Allemann und die Spiele des Schreckens

  • Adrian
  • 06. Juni 2009
  • Politik
  • 11693

alt"Ich muss auch nicht einen Offroader fahren, um überzeugt zu sein, dass der zu viel CO2 ausstösst."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

So begründete Evi Allemann in der Wochenzeitung den Fakt, dass sie noch nie eines der von ihr verhassten Actiongames gespielt hat, obwohl sie vehement gegen selbige vorgeht und in ihrer inzwischen vom Nationalrat angenommenen Motion ein absolutes Verbot von Herstellung, Werbung, Einfuhr, Verkauf und Weitergabe verlangt.

 

 

Der Artikel mit dem Titel „Ich bin tot?“ von Dinu Gautier erschien am 4. Juni 2009 in der Wochenzeitung und die obige Aussage ist nur eine von einer langen Liste von leeren Argumenten, die ihr wohl mehrheitlich von ihrem Parteikollegen Roland Näf zugesteckt wurden, wie es unter anderem die Mail, die sie dem User Grmp sendete, bildhaft beweist.

Zum Offroader Vergleich hat hier im Forum Lukas Blumer folgende Erwiderung verfasst:

Ein äusserst passendes Zitat stammt von dem deutschen CDU-Mitglied Wolfgang Bosbach. Herr Bosbach stellte die Frage: „Muss ich ein Baum sein um über die Klimaveränderung zu sprechen?“ Die Antwort ist natürlich: Nein, natürlich muss man kein Baum sein, um über die Klimaveränderung zu sprechen. Diese Frage liesse sich erstaunlich gut über den bei Roland Näf beliebte Vergleich der Videospielindustrie mit der Tabakindustrie anwenden: „Muss man eine Zigarette sein, um gegen den Verkauf von Tabakprodukten vorzugehen?“ Die Antwort ist: Nein, muss man nicht, aber man sollte zumindest wissen, was für Stoffe in einer Zigarette drinnen sind, und ob sie auch wirklich schädlich ist. Um das zurück auf das eigentliche Thema zu führen: Man muss kein Videospiel-Spieler sein, um gegen gewalthaltige Videospiele vorzugehen, aber man sollte sich zumindest damit auskennen und auch beweisen können, dass diese Videospiele wirklich schädlich sind.

Lukas Blumer, 6. Juni 2009

Die WOZ konnte Evi Allemann dazu überreden zusammen mit dem 25-jährigen Gamer Manuel Bachmann eine Partie Counter-Strike zu spielen, doch wie schon Andres Schaffhauser mit Nationalrätin Galladé hatte der junge Student keine Chance bei der uneinsichtigen Evi Allemann, die lieber mit haarsträubenden Aussagen um sich warf. Als Manuel Bachmann argumentierte, dass nach der Definition der SP-Nationalrätin, auch Schach verboten gehöre, erwiderte sie folgendes:

"Aber du hast nicht das Gefühl, es sei eine andere Welt. Das Problem ist die extrem ausgearbeitete Grafik neuer Computerspiele, die im Hirn die Grenzen zwischen virtuell und real verschwimmen lässt."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

 

Mit dieser Aussage unterstellt sie jedem Gamer in der Schweiz, er könne nicht zwischen Realität und Spiel unterscheiden. Eine durchaus heftige Aussage, jedoch blieb es nicht hierbei.

Der Artikel thematisiert auf die Amokläufe, hierauf behauptet Evi Allemann:

"Wenn es ums Töten von Menschen geht, dann stellt sich die Frage der Verhältnismässigkeit nicht mehr."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

 

Interessant ist diese Aussage vor allem, wenn man bedenkt, dass wenig später Frau Allemann gestand, dass das Spielen von Killerspiele an sich noch keine Amokläufer macht, denn weder von Frau Allemann noch von der SP gibt es grosse Offensiven gegen den privaten Besitz von Schusswaffen oder Mobbing an Schulen, wie es hier bei den Videospielen gibt, was eindeutig nur Symptombekämpfung ist, wie es auch der Bericht des Bundesrates erwähnt.

Würde die SP die Aussage von Frau Allemann wirklich ernst nehmen, gäbe es nicht nur Vorstösse für die eben genannten Punkte, sondern auch für ein Verbot von Alkohol und Zigaretten, zwei Sachen, die jährlich Tote fordern und nur zwei einer langen Liste auf der Spiele nicht aufgelistet sind, da noch nie jemand aufgrund von Games gestorben ist.

Auch behauptete Frau Allemann Videospiele hätten keinen Kulturwert, anders als Kriegsfilme. An dieser Stelle sollte man der Politikerin fragen, wo denn der Unterschied liegt? Vergleicht man zum Beispiel Medal of Honor Allied Assault von Electronic Arts und Saving Private James Ryan von Steven Spielberg, zeigen beide Spiele nicht nur Inhaltlich viele Parallelen. Sowohl Film wie auch Spiel zeigen auf realistische Art und Weise geschichtliche Ereignisse, folgen einem kleinen Trupp US-Soldaten auf einer Suizid-Mission und behandeln den Tot von Kameraden auf erwachsene Art und Weise. Wieso sollte ein solches Spiel verboten werden und der Film nicht?

Als Evi Allemann selber einen Versuch wagt, überlebt sie in ener Partie CS nicht lange, daher wechselten sie und Baumann auf Far Cry 2. Auch hier stellt sich heraus, dass es der Frau Allemann bei weitem an Übung fehlt, was ja weder verwunderlich noch schlimm ist. Ihre Gefühle bei der kurzen Partie fasst sie folgendermassen zusammen:

"Ich bin in dieser virtuellen Welt nach so kurzem üben natürlich noch etwas hilflos. Dennoch hat das sofort Emotionen ausgelöst, keine Angst, eher ein Kribbeln. Du denkst sofort: Den muss ich abknallen."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

Dieses „böse“ Kribbeln wird wohl nichts weiteres als Spannung und Spass sein, vermischt mit Adrenalin, etwas durch und durch gutes, dass auch nicht verboten gehört. Und die Reaktion den Angreifer zu beschiessen ist wohl normal, wenn man bedenkt, dass man selber unter Beschuss steht. Nicht für Evi Allemann, die nach dem spielen noch einen weiteren Punkt erwähnte, der ihr an den Spielen nicht gefällt:

"In diesem Spiel kannst du einen Konflikt überhaupt nicht verbal lösen. Dabei gibt es ja selbst in realen Kriegen Diplomatie."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

Dies ist sicherlich richtig, doch wird diese Diplomatie nie von Fusssoldaten ausgeübt und Diplomatie ist wohl auch kaum angebracht, wenn man gerade beschossen wird. Auch sollte sie bedenken, dass viele Shooter dort ansetzen, wo die Diplomatie bereits gescheitert ist. Anders ist dies bei RTS wie zum Beispiel Sins of a Solar Empire, wo Diplomatie stets eine Alternative bildet.

In diesem Artikel hat sich mal wieder gezeigt wie wenig sich Frau Allemann, aber auch Frau Galladé der Herr Näf, mit der Thematik ernsthaft auseinander gesetzt hat. Sie können Spiele nur durch die Brille ihrer Vorurteile und eignen Moralvorstellungen betrachten und sehen dies als Grund genug anderen Menschen ihre Ansichten durch Verbote aufzuzwingen. Wo bleibt denn hier die pluralistische Schweiz?

An dieser Stelle sollte man noch erwähnen, dass in diesem Artikel auch noch Tanja Walliser, Zentralsekretärin der Juso Schweiz, zu Wort kam und sich Kritisch über die Verbotsbestrebungen der SP äusserte:

"Man könnte Amokläufe statistisch genauso gut mit dem Verzehr von Brot in Verbindung bringen […] Das ist Symptombekämpfung, die von den wahren Ursachen von Jugendgewalt ablenkt […] Das Geld, das es für die Durchsetzung der Gamezensur braucht, würde man besser in Jugendarbeit an den Schulen investieren […] Der Jugendschutz liegt in der Verantwortung der Eltern."

WOZ: "Ich bin tot?", 4. Juni 2009, Dinu Gautier, http://www.woz.ch/artikel/2009/nr23/schweiz/17973.html

Hier beweist die JUSO abermals, dass sie in diesem Thema viel reifer und weitsichtiger vorgeht und dies verdient sowohl unser Respekt wie auch Unterstützung.

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