Auch Luzern will "Killerspiele" verbieten

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  • 05. März 2010
  • Politik
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Jacqueline Mennel Kaselin (SP Luzern)Wie bereits diversen Medienberichten zu entnehmen war, wird nun auch der Kanton Luzern eine Standesinitiative ausarbeiten, welche ein Verbot sogenannter "Killerspiele" fordert. Auffällig ist, dass einmal mehr die SP bei der Lancierung der Motion federführend war und dass die Einleitung im Motionstext in Luzern jenem auf dem Berner Grossrat zum verwechseln ähnlich ist.

Motion Berner Grosser Rat, Roland Näf (SP)
Motion Luzerner Regierungsrat, Jacqueline Mennel (SP)

Es steht ausser Zweifel, dass diese Motionen - abgesehen von individuellen Anpassungen hinsichtlich des Kantons und Optimierungen in der Begründung - aus einer und derselben Feder stammen. Am Rande sei hier die Frage erlaubt, inwieweit die SP, bzw. gewisse Exponenten dieser Partei, nicht ein demokratisches Instrument missbraucht, um ihre Zensur-Interessen durchzudrücken. Dies, bevor eine andere Partei eine Standesinitiative mit einem sinnvollen Jugendschutz, etwa im Stile der Motion Hochreutener, einreicht. Denn dann wäre der Zug im betreffenden Kanton für eine SP-Motion abgefahren. Kaum ein Parlament wird sich mit der Thematik nochmals auseinandersetzen, wenn der Jugendschutz mit gesetzlich verankerten Altersgrenzen für Computerspiele beschlossene Sache ist.

"Neuere psychologische Studien haben aufgezeigt, dass manche Spieler solche virtuellen Gewaltdarstellungen in die Realität umsetzen."

Neue Luzerner Zeitung: "Regierung Stützt Verbot für Gewalt-Videospiele". Jacqueline Mennel Kaeslin. 2. März 2010

Auch die Argumentationsweise der SP-Politikerin ist uns aus anderen Mündern bestens bekannt. Die Frage, auf welche Studie sie sich mit dieser Aussage beziehe, beantwortete Frau Mennel gegenüber GameRights ebenso wenig wie die Frage, wie sie denn eine Kriminalisierung tausender erwachsener Bürger  rechtfertigen wolle. Auch weitere Fragen konnte oder wollte sie nicht beantworten und beschränkte sich auf die Reaktion: "Danke für Ihr interessantes Mail. Wie Sie sich sicher denke können, bin ich gar nicht Ihrer Ansicht. Ich werde mir aber Gedanken über Ihre Anregungen machen."

Einmal mehr darf festgestellt werden, das Bedenken oder Anliegen erwachsener Gamer von diesen Politikern entweder nicht ernst genommen werden oder dass sie ziemlich schnell ab der Komplexität der Thematik überfordert sind, da sie sich ja nur oberflächlich mit der Materie befasst haben.

Interessant ist auch die Antwort des Luzerner Regierungsrats auf die Motion Mennel, welche in der Beurteilung und der daraus gezogenen Schlussfolgerung komplett widersprüchlich ausfällt:

"Bereits die heute verwendete Begrifflichkeit "Killer"spiel und "grausam" verhindert eine sachliche Betrachtung, weshalb eine Verurteilung auf Grund dieser Begriffe auch nur schwer zu erreichen ist. (...) Fraglich ist, ob nicht die Förderung der Medienkompetenz von Eltern und Kindern einer Zensur von Medieninhalten vorzuziehen ist. Gegen ein Verbot spricht, dass mit ihm Erwachsene von ihrer Verantwortung entbunden werden (...)."

Antwort Luzerner Regierungsrat auf die Motion Mennel. 23. Februar 2010.

Die Begründung deckt sich somit im Wesentlichen mit den Forderungen von GameRights. Unverständlicherweise werden ebendiese Überlegungen vom Regierungsrat in der Schlussfolgerung jedoch komplett ausgeblendet:

"Ein Verbot, das bereits bei der Herstellung solcher Games beginnt und keine Alterslimite für den diesbezüglichen Erhalt vorsieht, erscheint uns aus diesen Überlegungen trotz weitreichender Folgen als zweckmässig."

Antwort Luzerner Regierungsrat auf die Motion Mennel. 23. Februar 2010.

Die Motion Mennel wurde am 23. Februar 2010 als "erheblich" erklärt. Eine Standesinitiative wird somit auch im Kanton Luzern vorbereitet. Das letzte Wort hat danach das Luzerner Parlament.

 

Die Luzerner Motion wurde auch im Forum von GameRights bereits rege diskutiert.

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