In den letzten Monaten verschwand die Debatte um ein Verbot von gewalthaltigen Videospielen etwas aus dem öffentlichen Interesse. Der Vorstoss eines Verbots von "Killerspielen" ist jedoch nach wie vor in Bearbeitung. Jugend und Medien - das ins Leben gerufene nationale Programm zur Förderung von Medienkompetenzen hat eine Datenbank mit Beratungsangeboten rund um das Thema eingerichtet.

Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften hat zum zweiten Mal Ergebnisse der JAMES-Studie präsentiert, welche sie im Auftrag der Swisscom durchführt. Die JAMES-Studie befragt Kinder und Jugendliche zu ihrem Medienverhalten und vergleicht Freizeitverhalten im non-medialen Bereich mit der Nutzung von Medienangeboten wie das Spielen von Videospielen und die Nutzung von Internet und Smartphones. Die ersten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das immer grösser werdende Medienangebot das Freizeitverhalten von Kinder- und Jugendlichen nicht negativ beeinflusst. Im ersten Quartal 2013 werden neue Resultate veröffentlicht.

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Leider wird noch immer behauptet, Videospiele würden Aggressionen fördern, den Spieler emotional abstumpfen, sein Sozialleben mindern oder zu schlechten Schulnoten führen – bislang ohne je wirklich belegt worden zu sein. Dass sich Games aber durchaus positiv auf den Spieler auswirken können, wird von den Kritikern meist gekonnt ignoriert. Solch eine positive Eigenschaft konnte nun auch die University of Auckland durch eine Studie belegen. Ein eigens entwickeltes Videospiel hilft Betroffenen, die Symptome von Depressionen zu mindern – teilweise effektiver als bei herkömmlichen Methoden.

Ende Juli gab es im Tagesanzeiger ein heftig kommentiertes Interview mit dem Hirnforscher Manfred Spitzer über die Auswirkungen des Gebrauchs von Computern, Smartphones und Spielkonsolen. Es trägt provokativ die Überschrift "Es besteht die Gefahr, dass Kinder dumm, dick und aggressiv werden". Sein Buch Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen ist vor einer Woche erschienen und führt eine interessante Diskussion zum Thema Einfluss von digitalen Medien auf das menschliche Gehirn weiter.

Der Begriff der digitalen Demenz bezeichnet das Phänomen, dass mit der uns heute im Alltag zugemuteten Informationsflut das Erinnern in den Hintergrund rückt. Wir verteilen unser Gedächtnis auf digitale Geräte, heutzutage vor allem auf Smartphones. Dort sind oft unsere täglichen Verpflichtungen, Adressen und Nummern von Freunden und auch sonst viele Notizen des Alltags gespeichert. Alles, was wir tun müssen ist, diese Information abzurufen. Wir brauchen sie also gar nicht in unserem Gehirn zu speichern. Dies wird jedoch nicht nur mit digitalen, sondern auch mit anderen Medien gemacht, wie zum Beispiel Notizbücher, Terminkalender oder Diktiergeräte.

Das von GameRights verfochtene Altersklassifizierungssystem Pan European Game Information (PEGI) existierte in Grossbritannien bislang gleichzeitig mit den Bewertungen des nationalen British Board of Film Classification. Am 10. Mai 2012 liess das Department of Culture, Media and Sport verlauten, dass PEGI in Kürze als einziges Ratingsystem für Videospiele in den UK übernommen werden soll. Wie IGN nun meldet, soll dies am 30. Juli dieses Jahres offiziell geschehen. Interessant: Ab diesem Zeitpunkt können Händler für den Verkauf von Spielen an zu junge Kunden strafrechtlich verfolgt werden.

Shooter sind oft die Sündenböcke, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Spielen gewalthaltiger Videospiele und Aggressionsausübung vermutet wird. Diesem Genre wird nachgesagt, es ginge lediglich darum, so viele Gegner wie möglich auf möglichst effiziente Art und Weise zu töten. Dass hier eine pauschalisierende Verallgemeinerung eines ganzen Spielgenres stattfindet, wird klar, wenn man sich das deutsche Spiele-Projekt Spec Ops: The Line anschaut. Spec Ops: The Line wurde vom Entwicklungsstudio Yager Development entwickelt und erschien am 29. Juni für PC und Konsolen.

Heute morgen hat in Oslo hat der Prozess begonnen gegen den Attentäter Anders Behring Breivik, welcher im letzten Sommer über siebzig Menschen tötete. Er will in Notwehr gehandelt haben. Kurz nach 11 Uhr wird besprochen, dass Breivik von 2009 bis 2011 an seinem Manifest arbeitet und während dieser Zeit sehr oft World of Warcraft spielte. Der Staatsanwalt Svein Holden bezieht sich dabei auf die vermeintliche Gewaltdarstellungen im Spiel.

World of Warcraft ist laut PEGI für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren freigegeben und zeichnet sich durch eine liebevolle Comic-Grafik aus. Also das Gegenteil von dem, was sich Leute unter dem leidigen Begriff "Killerspiel" vorstellen. In einer virtuellen Welt kann man sich zu Gruppen zusammenschliessen und gemeinsam Abenteuer erleben. Inwiefern die comichafte Darstellung von Schwertkämpfen und Zaubern vom Staatsanwalt mit dem Attentat in Verbindung gebracht wurde ist derzeit noch unbekannt.

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